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Berufsbegleitende Weiterbildung
Wandbild

„Aus dem Leben des medizinischen Dienstes der Nationalen Volksarmee“ (Grafik-Zyklus von Helmut Maletzke, Greifswald)

Die berufsbegleitende Weiterbildung der militärmedizinischen Hochschulkader

 

Nach Abschluss der Fachweiterbildung und mit der Erteilung der staatlichen Anerkennung als Facharzt, -zahnarzt oder –apotheker begann für alle militärmedizinischen Hochschulkader die berufsbegleitende Weiterbildung in der Dienststellung. Sie gliederte sich nach dem in der Nationalen Volksarmee gültigen System der militärakademischen Ausbildung der Offiziere in:
• Die gesellschaftswissenschaftliche Weiterbildung,
• die operative und taktische Weiterbildung,
• die militärtechnische und spezialfachliche Weiterbildung,
• die allgemeinmilitärische  Weiterbildung und
• die physische Ausbildung.
und  war von großer Bedeutung für den weiteren Verlauf der aktiven Dienstzeit eines jeden Offiziers.
Diese Weiterbildung in der Dienststellung galt grundsätzlich für jeden Militärarzt, -zahnarzt und –apotheker sowohl im Truppen-/Flottendienst als  auch im Stabsdienst und in militärmedizinischen Einrichtungen (MMA, MMS, ILM, MMZ und Lazarette). Die Schwerpunkte der Weiterbildung wurden jährlich im Konsens zwischen der Verwaltung Medizinischer Dienst und der Politischen Hauptverwaltung  des MfNV sowie der Truppenführung neu definiert und festgelegt.
Hier sei angemerkt, dass die berufsbegleitende Weiterbildung der Ärzte, Zahnärzte und Apotheker in der DDR zur Abgrenzung von der Weiterbildung der mittleren medizinischen Fachschulkader die Bezeichnung „Fortbildung“ trug, im vorliegenden Beitrag aber der im militärischen Bereich allgemein verwendete Begriff Weiterbildung benutzt wird.
Das im medizinischen Dienst der Nationalen Volksarmee bestehende abgestufte System der berufsbegleitenden spezialfachlichen Weiterbildung der Militärärzte, -zahnärzte und -apotheker umfasste:
• Die funktionsbezogene selbständige Weiterbildung in der Dienststellung
- das persönliche Selbststudium (Literaturstudium) als Hauptmethode
-die Teilnahme und aktive Mitwirkung an wissenschaftlichen Veranstaltungen/Kongressen (z. B. der GMM)
-  die aktive Publikationstätigkeit (z. B. in der Z. Milmed.);
• die Teilnahme an der obligatorischen peripheren Fortbildung der Ärzte, Zahnärzte und Apotheker des Gesundheitswesens der Deutschen Demokratischen Republik;
• die Weiterbildung durch Lehrgänge
-akademische Kurse und
-Qualifizierungslehrgänge;
• Hospitationen
-  Einzelhospitationen und
-  Gruppenhospitationen;
• Subspezialisierungen;
• Aspiranturen;
• die Aufnahme  der Ausbildung  zum Facharzt in einer zweiten Fachrichtung gemäß den Festlegungen der Facharzt-/Fachzahnarztordnung.
Von besonderer Bedeutung im System der berufsbegleitenden Weiterbildung der militärmedizinischen Hochschulkader waren die akademischen Kurse. Sie stellten eine spezielle Form der Lehrgänge dar, in denen die Teilnehmer funktions- und fachgebietsbezogen auf eine neue Dienststellung vorbereitet wurden bzw. in denen ihnen zu bestimmten militärmedizinischen Aspekten und Sachverhalten klinischer und theoretisch-experimenteller Fachgebiete neueste Erkenntnisse vermittelt wurden.
Akademische Kurse fanden vorrangig zu folgenden Zweigen der Militärmedizin statt:
• Organisation und Taktik des medizinischen Dienstes (MMS);
• Feldchirurgie (MMA);
• Innere Militärmedizin (MMA);
• Militärhygiene; (MMS)
• Luftfahrtmedizin (ILM);
• Marinemedizin (MMZ) und
• Militärpharmazie (MMS).
Die Kurse waren in drei Stufen in der angegebenen Reihenfolge zu absolvieren:
• 1.akademischer Kurs (Grundkurs);
• 2. akademischer Kurs (Aufbaukurs) und
• 3. akademischer Kurs (Fortbildungskurs).
Der 3. akademische Kurs wurde in mehrjährigem Abstand (in der Regel 5jährlich) zum Erwerb neuester Erkenntnisse im jeweiligen Fachgebiet wiederholt.
Die Dauer jedes akademischen Kurses betrug vier Wochen mit 10 – 15 Teilnehmern; die Teilnahme setzte in der Regel eine mehrjährige, mindestens jedoch zweijährige militärärztliche Tätigkeit als Facharzt im Truppen-/Flottendienst voraus.
Eine besondere Form der akademischen Kurse stellten die „Höheren akademischen Kurse (HAK)“ an der „Militärmedizinischen Akademie S. M. Kirow“ (VMOLA) in Leningrad dar. Sie dienten der Qualifizierung ausgewählter Führungskader des medizinischen Dienstes der NVA, dauerten zumeist 12 Monate und hatten vornehmlich die Vermittlung neuester militärmedizinischer Kenntnisse in den Fachgebieten/Zweigen Organisation und Taktik des medizinischen Dienstes, Feldchirurgie, Innere Militärmedizin, Militärhygiene, Feldepidemiologie, Militärtoxikologie, Militärradiologie und Militärpharmazie zum Inhalt.
Die Weiterbildung durch Qualifizierungslehrgänge und Hospitationen erfolgte auf der Grundlage der geltenden Ordnungen des MfGe (Facharzt-/zahnarzt/-apothekerordnung) an der MMA, der MMS und der AfÄF der DDR.
Die Dauer der Qualifizierungslehrgänge betrug bis zu 4 Wochen mit 10 – 20 Teilnehmern.
Die jährlichen Hospitationen erfolgten z. B. an der MMA entsprechend dem individuellen Bedarf vornehmlich in den Fachgebieten:
- Notfallmedizin,
- Chirurgie,
- Innere Medizin (speziell Herz-/Kreislaufkrankheiten)
- Orthopädie,
- HNO,
- Dermatologie.
Für die Subspezialisierung in den einzelnen Spezialgebieten galten ebenfalls die jeweils zutreffenden Ordnungen des MfGe mit den darin vorgegebenen Inhalten und Zeiten. Gleiches traf auch für die Aufnahme  der Ausbildung  zum Facharzt/Fachzahnarzt in einer zweiten Fachrichtung zu.
Die Weiterbildungsform der Aspiranturen fand vor allem für ausländische Militärmediziner der SRV zum Erwerb einer akademischen Graduierung (A-Promotion oder B-Promotion) Anwendung, die von Hochschullehrern der MMA und der MMS wissenschaftlich betreut wurden und je nach dem behandelten Thema mehrere Jahre dauerten. Außerplanmäßige Aspiranturen zum Erwerb des akademischen Grades eines Doktors der Medizinischen Wissenschaften (Dr. sc. med.) an der „Militärmedizinischen Akademie S. M. Kirow“ (VMOLA) in Leningrad nahmen als Militärärzte der DDR Gerhard Rehwald, Edgar Steiner und Winfried Papenfuß erfolgreich wahr.
Beispielhaft für alle militärmedizinischen Hochschulkader wird abschließend die vom überwiegend im truppen-/flottenärztlichen Bereich vertretenen Facharzt für Allgemeinmedizin während seiner gesamten Dienstzeit wahrzunehmende berufsbegleitende Weiterbildung dargestellt (Bild 1).

B7_1

                            Berufsbegleitende Weiterbildung in der Dienststellung des Facharztes für Allgemeinmedizin

Abkürzungen:
Grupp.-Hsp. AM – Gruppenhospitation Allgemeinmedizin
Akad.Kurs OTMD – Akademischer Kurs Organisation und Taktik des medizinischen Dienstes
Spez. Qualif.-lg. –Spezieller Qualifizierungslehrgang
 

Literatur

1. Kalthoff, R., und D. Stremmel, Aus- und Weiterbildung militärmedizinischer Hochschulkader. In: Schriftenreihe der MMA, Heft 2, Bad Saarow 1985
2. Kalthoff, R, Die Weiterbildung der Angehörigen des medizinischen Dienstes der Nationalen Volksarmee, In: Beiträge Wehrmedizin und Wehrmedizin, Band 17. Der Medizinische Dienst der NVA – Teil I. Referate anlässlich des Workshops des Arbeitskreise Geschichte der Wehrmedizin vom 20.-21.04.2004 in Leipzig. Herausgegeben von Franz.-J. Lemmens und Wolfgang G. Locher, Elbe-Dnjepr-Verlag 2006, ISBN 3-933395-86-0
3. Rehe, Rolf, Das Medizinstudium an der Militärmedizinischen Akademie „S. M. Kirow“ in Leningrad – eine Erinnerung. In: Beiträge Wehrmedizin und Wehrmedizin, Band 17. Der Medizinische Dienst der NVA – Teil I. Referate anlässlich des Workshops des Arbeitskreise Geschichte der Wehrmedizin vom 20. – 21.04.2004 in Leipzig. Herausgegeben von Franz.-J. Lemmens und Wolfgang G. Locher, Elbe-Dnjepr-Verlag 2006, ISBN 3-933395-86-0
4. Rehe, Rolf, Das Medizinstudium an der Militärmedizinischen Akademie „S. M. Kirow“ in Leningrad (Vortrag), Dokumentation Treffen ehemaliger Angehöriger des 1. Feldscherlehrgangs und der Studentenkompanie 28. – 30. April 2006 im Bundeswehrkrankenhaus (Ehemaliges Krankenhaus der Volkspolizei), Leipzig 2006
 

 

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